Anatomie und Funktion der Netzhaut (Retina)
Die Netzhaut (Retina) des Auges sowie das retinale Pigmentepithel bedecken etwa 70% des inneren Augapfels (Bulbus). Die Netzhaut besteht aus mehreren Zellschichten, die Licht in nervale Reize verwandeln und zum Gehirn weiterleiten. Das retinale Pigmentepithel liegt hinter diesen Schichten und besteht aus Zellen, die für die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff und Entsorgung von Stoffwechselprodukten der Netzhautschichten zuständig sind. Innerhalb der gesunden Netzhaut gibt es keine Blutgefäße.
Beim menschlichen Auge spricht man von einem inversen Auge, weil das Licht die Photorezeptoren (Zapfen und Stäbchen) erst nach Durchschreiten der anderen Schichten der Netzhaut erreicht. Deshalb ist es besonders wichtig, dass der Weg des Lichtes nicht behindert wird.
Bevor das Licht die Nervenzellen der Netzhaut erreicht, muss es außerdem zunächst die Hornhaut, die Linse und den Glaskörper durchdringen. Drei Gewebeschichten, die zu Sehverschlechterungen führen können, wenn Sie nicht klar und gesund sind (z.B. Hornhautrübungen, Katarakt).
Die Oberfläche der Netzhaut weist drei anatomische Besonderheiten auf:
- Zentral im direkten Einfallswinkel des Lichtes liegt die Makula, der sogenannte Gelbe Fleck. Sie besteht aus besonders vielen Zellen in einer hohen Dichte und ist verantwortlich für das scharfe Sehen und das Farbensehen.
- Seitlich der Makula liegt der sogenannte Blinde Fleck oder die Papille. Es handelt sich um den Eintrittspunkt oder Bündelpunkt der Nervenfasern des Sehnerven, der die Lichtsignale ins Gehirn leitet. An dieser Stelle gibt es außer Nervenfasern keine Photorezeptoren.
- Die Ora serrata bezeichnet den kreisrunden Übergang von der mehrschichtigen Retina (Netzhaut ) in die einschichtige ‘blinde‘ Pars caeca, die den Ziliarkörper und die Iris überzieht.
Schichtaufbau der Netzhaut
Die Netzhaut besteht im Aufbau aus neun Zellschichten, sowie dem Pigmentepithel. Mit dem Licht werden zunächst die Grenzmembran und dann die Schichten der Nervenfasern und der Ganglienzellen durchdrungen, die sich zu den Nervenfasern bündeln und den Lichtreiz zum Sehnerv leiten. Darunter liegen die Zellen der inneren plexiformen Schicht, die innere Körnerschicht (Amakrinzellen), die äußere plexiforme Schicht (Bipolarzellen und Horizontalzellen) und die äußere Körnerschicht (Zellkerne der Photorezeptoren). Diese Schichten dienen der komplexen Verschaltung und Leitung der Lichtimpulse. Schließlich folgen die Müllerschen Stützzellen der Membrana limitans externa und dann die Schicht der insgesamt ca. 4,6 Millionen Zapfen und 95 Millionen Stäbchen (Angaben variieren). Zapfen dienen der Farbwahrnehmung, Stäbchen dem Dämmerungssehen.
Die Schicht des Pigmentepithels (fest verbundene Pigmentzellen) trägt die Netzhautschichten und bildet die wasserundurchlässige Grenze des inneren Auges. Sie ist verbunden mit der Choriocapillaris, den kleinsten Blutgefäßen, die die Netzhaut versorgen.
Bei Betrachtung der transparenten Netzhaut (durch den Augenarzt) erscheint sie in einem lachsroten Farbton. Dies liegt am darunter liegenden Pigmentepithel und der sehr gut durchbluteten Choriokapillaris.
Aufbau der Makula
Die Makula liegt im Zentrum des Augenhintergrundes und besteht aus dem Bereich der höchsten Rezeptordichte (Zelldichte). Sie hat etwa einen Durchmesser von 6mm und wird weiter unterteilt in Perifovea, Fovea, Foveola und Umbo. Diese Bereiche der Makula zeichnen sich durch unterschiedliche Zellschichtdicken aus. In der Perifovea liegen mehrere Ganglienzellschichten übereinander, im Bereich der Foveola und der zentralen Umbo. Das Zentrum der Makula (die Fovea) bildet eine ca. 1,5mm große Mulde, in der es nur Zapfen gibt, und die Zellen der anderen Netzhautschichten an den Rand der Mulde gedrängt sind. Hier besteht keine Blutversorgung. Das sichert ein Höchstmaß an Sehschärfe.
Wie funktioniert die Netzhaut ?
Nachdem das Licht die Photorezeptoren der Zapfen und Stäbchen erreicht hat, wird der Lichtreiz hier in elektrische Erregung umgewandelt. Das nennt sich Phototransduktion. Sie wird durch eingelagerte Farbstoffe ermöglicht. In den Stäbchen ist dies Rhodopsin. Er ermöglicht schwarz-weiß-Sehen bzw. hell-dunkel-Sehen (skotopisches Sehen gennant). In den Zapfen heißt der Farbstoff Iodopsin und lässt Farbensehen zu. Dazu existieren drei verschiedene Arten von Zapfentypen für rot, blau und grün.
Das einfallende Licht bewirkt eine Veränderung des Vitamin A (Retinol) in den Photorezeptoren, und die Zelle wird hyperpolarisert, d.h. es entsteht eine elektrische Spannungsänderung und ein elektrisches Signal.
Die Farbstoffmengen in den Zellen variieren je nach Lichteinfall. Bei wenig Licht gibt es viel Farbstoff, bei viel Licht wenig. So kann die Netzhaut sich an stark variierende Lichtverhältnisse anpassen. D.h., im Dunkeln etwas sehen (allerdings keine Farben) und bei grellem Licht “abblenden”.
Wie wir sehen !
Im zentralen Bereich der Retina, der Makula mit der Fovea, dem Punkt des schärfsten Sehens, erkennen wir die Welt scharf und farbig. Dort, wohin wir schauen (fokussieren), sehen wir scharf. Ausserhalb des Makulabereiches können wir nicht scharf sehen, sondern erkennen unsere Umwelt nur schemenhaft. Allerdings ist die Fähigkeit, hell-dunkel-Änderungen zu erkennen, sehr hoch ausgeprägt, und so können wir Bewegungen sehr sensibel wahrnehmen.
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